Samstag, 28. August 2010

Atombomben in die Rente schicken

Gestern nahm ich für die KongressorganisatorInnen an einer Pressekonferenz zum Thema nuklearer Abrüstung teil. Christian Schönenberger vom Schweizer Auswärtigem Amt und Rebecca Johnson, Vizevorsitzende von ICAN nahmen ebenfalls teil.

Christian Schönenberger bezog sich in seinem Beitrag nicht nur auf die herausragende Ansprache der Schweizer Außenministerin Micheline Calmy-Rey vor dem Plenum an diesem Morgen, sondern auch auf die Studie "Delegitimizing Nuclear Weapons", die auf der Überprüfungskonferenz zum Atomwaffensperrvertrag für erhebliche Aufregung gesorgt hatte. Der Umstand, dass Atomwaffen dem Völkerrecht widersprechen, ist eine wiederkehrendes Thema, sowohl in New York als auch hier in Basel, und wird immer mehr zum zentralen Argument für die Abschaffung der Atomwaffen. Das mag für uns profan sein, aber andererseits sollte es immer wieder erwähnt werden, besonders seitdem unsere Freunde von "Global Zero" das Furcht-Argument des Terrorismus als Hauptpunkt in den Vordergrund drängen.

Für die IPPNW und ICAN steht der humanitäre Aspekt im Zentrum der Argumentation für die Abschaffung der Atomwaffen, und ich versuchte, den anwesenden JournalistInnen die Gründe dafür zu erklären. Und darüber hinaus was mit den Menschen im Falle des Einsatzes von Atomwaffen passieren würde, was die IPPNW ja sehr gut dokumentiert hat, sowohl im Falle eines versehentlichen Atomkrieges als auch bei einem sogenannten begrenzten Austausch. Der würde natürlich auch global sein durch die Einwirkungen des entstandenen Rauchs und dem Abfall der globalen Temperatur, was zu Ernetausfällen und Hungerepedemien führen würde.

Den Punkt, den ich setzen wollte ist, dass es gerade jetzt ein humanitäres Problem ist. Einmal wegen der Umlenkung von Ressourcen für nukleare Programme und auch wegen unserem bleibenden Unverständnis, was für eine Sicherheit die Menschen im 21 Jahrhundert wirklich brauchen.

Nehmen wir als ein Beispiel Pakistan. Damals, als die Entscheidung fiel, die Atombombe zu bauen, sagte der damalige Premier Zulfiqar Ali Bhutto (das genaue Zitat habe ich nicht zur Hand), dass selbst wenn die Pakistani Gras essen müssten, sie die Bombe bauen würden. Nun, sie tun das jetzt, weil es nicht genug Mittel gibt, um den Menschen in Pakistan angesichts dieser schrecklichen Flutkatastrophe zu helfen. Die Umlenkung der Ressourcen zum Militär hat dazu geführt, dass Pakistan nicht in der Lage ist, mit dieser Katastrophe fertig zu werden.

Das zeigt uns, das das Investieren in unsere Sicherheit völlig unzureichend ist. Die Häuser werden nicht so gebaut, dass sie natürlichen Katastrophen widerstehen können, Nothilfen sind lächerlich gering, sogar im täglichen Leben gibt es nicht genügend Schutz vor den großen Killern wie Malaria, schmutziges Trinkwasser, HIV usw. Sicherheit stützt sich statt dessen auf Atomwaffen, einer Waffe die sich aufgrund seiner menschlichen und Umweltfolgen nicht nutzen lässt.

Es ist an der Zeit, im 21 Jahrhundert, zu verstehen, dass Klimawandel und Krankheiten die Bedrohung unserer Sicherheit darstellen und dass Atomwaffen uns davor nicht schützen können - sie sind nicht zu gebrauchen.

Es ist an der Zeit, die Bombe in Rente zu schicken!

Xanthe Hall, Basel, 28. August 2010

Donnerstag, 26. August 2010

Das Uran muss in der Erde bleiben

"Das Uran muss in der Erde bleiben" - diese Forderung passte auf alle Schilderungen der Vertreter von Indigenen Völkern aus Australien, Mali, Namibia, Niger, Indien, Kanada und der USA über die Situation in ihren Heimatländern. Etwa 100 Teilnehmer diskutierten bei der Urankonferenz "Sacred Land - Poisoned Peoples" über die Folgen des Uranbergbaus.

Besonders bewegend war die Rede von Chairman White Face, eine Sioux-Vertreterin aus South-Dakota, USA auf der gestrigen Pressekonferenz. "Mitten im Herzen der USA findet ein Genozid statt. Mein Volk stirbt an Krebs, weil unser Wasser und unsere Luft radioaktiv verseucht sind", sagte die Gründerin der Defenders of the Black Hills.

In und um die Black Hills liegen über 1.000 seit den 70er Jahren stillgelegte Uranminen. Chairman White Face nannte sie das geheime Tschernobyl der USA, da aus den offenen und zum Teil mit Wasser gefüllten alten Minen und aus den über 10.000 Bohrlöchern, die bei Explorationen bis zu 800 Fuß tief getrieben wurden, tritt Radon aus. Luft und Wasser sind radioaktiv verseucht. Bäche und Flüsse - und auch das Grundwasser - münden in den Mississipi. Damit betreffen die strahlenden Uranminen nicht nur die Bevölkerung South Dakotas, sondern große Teile der Menschen in den USA.

"Die Erde ist das Leben. Wir nennen sie ‘unci ina makoce’, das bedeutet Großmutter und Mutter Erde. Sie lebt und man darf sie nicht verletzen. Man darf nicht in sie hinein graben. Der Bergbau hat sie richtig schwer verletzt. Denn er hat Dinge freigesetzt, die nicht freigesetzt werden sollten. Es schmerzt die Luft, das Wasser, die Pflanzen, die Tiere – es schmerzt allem," so Chairman White Face.

Manuel Pino, Professor für Soziologie in Arizona, bezeichnet das Uran als die Lunge, der Erde, die Kohle als die Niere und das Öl als ihr Blut. "Lasst das Uran in der Erde", appellierten die KonferenzteilnehmerInnen von Basel aus an die Weltgemeinschaft.

Angelika Wilmen

Mittwoch, 25. August 2010

BAN-Tour in Basel!

11 Tage, 700km, eine Botschaft: Kernwaffen müssen raus aus Europa!

So lautete der Slogan auf unserer Fahrradtour von Düsseldorf nach Basel. Mit rund 30 Studenten und jungen Ärzten von allen fünf Kontinenten sind wir aufgebrochen um die Menschen auf unserem Weg auf die ständige Bedrohung von Atomwaffen aufmerksam zu machen. Auf dem Weg veranstalteten wir einige Target X Aktionen in den Städten, an denen wir vorbeikamen und unter den misstrauischen Blicken des Militaers auch vor der Flugstation in Buechel, wo immer noch 20 amerikanische B61 Atomwaffen
stationiert sind.

Eine große Gruppe wie diese, aus verschiedensten Kulturen, Religionen und Mentalitäten, erfordert viel Respekt und Offenheit. Es war eine große Herausforderung und doch wuchs die ganze Gruppe zu einer grossen Familie zusammen und kulturelle Unterschiede wurden mit Neugier erfragt.

Die Tage auf dem Weg vergingen schleppend, da wir im Schnitt 70km pro Tag auf dem Sattel bewaeltigen mussten und abends und morgens in einen Trott des Zelte auf-und abbauens kamen. Das Gefuehl, endlich das Ziel erreicht zu haben, war unbeschreiblich. Ich war erleichtert und traurig zugleich. Erleichtert, da unsere Gruppe unser Ziel erreicht hatte und wir die Tour zusammen vollbracht hatten. Trauer, da es nun vorbei ist und sich die Gruppe in der grossen Menge von Kongressteilnehmern aufgelöst hat.

Am Anfang der Tour konnte Alex Rosen 3 Viertel der Motivation fuer unsere Tour nennen:

1. Viertel - der politische Aspekt: wir wollen alle Menschen, die wir auf unserer Reise passieren, auf die Bedrohung von Atomwaffen aufmerksam machen.

2. Viertel - Networking: 30 Menschen aus 16 Ländern von allen 5 Kontinenten zusammen auf einer Reise sind eine fantastische Moeglichkeit, um Netzwerke zu staerken und neue Netzwerke zu schaffen, die fuer die weitere Friedensarbeit essentiel ist.

3. Viertel - Sport und Spass: Menschen mit demselben politischen Interesse auch „privat“ kennenzulernen.

Waehrend wir zu Beginn das letzte Viertel nicht benennen konnten, so waren wir uns am letzten Tag alle einig, dass das die persoenliche Weiterentwicklung von
jedem einzelnen von uns war. Auf der Tour gingen wir alle an unsere Grenzen, sei es aus Mangel an Hygiene, bei den Zeltuebernachtungen, Verkehrsregeln, oder wegen kultureller Missverstaendnisse zwischen den BANnies verschiedener Länder.

Es war ein unvergessliches Erlebnis und ich habe auf dieser kurzen und sehr intensiven Reise Freunde fuers Leben gefunden.
Alix Schou

Fotos auf flickr: http://www.flickr.com/photos/organize/?start_tab=one_set72157624765235118

Mittwoch, 18. August 2010

IPPNW-Weltkongress beginnt am 25. August in Basel

Vom 25.-30. August findet der 19. IPPNW-Weltkongress "Nuclear Abolition: For a Future" in Basel in der Schweiz statt. Bis zu 800 ÄrztInnen, Medizinstudierende, Aktivisten und engagierte BürgerInnen kommen in der Universität Basel zusammen, um mit Experten aus aller Welt den gegenwärtigen Stand der Abrüstungsbemühungen erörtern und Wege beraten, um diesem Ziel näher zu kommen.

Mehr als ein Dutzend Teilnehmer werden während des fünftägigen Ereignisses für Sie bloggen. Lesen Sie Ihre Berichte und kommentieren Sie.